Im Januar habe ich mich nach einer Informationsveranstaltung für das Projekt “Erasmus in Schools” angemeldet. Es wird von der internationalen Abteilung des finnischen Bildungsministeriums geleitet, welche auf den schönen Namen “Eurooppalainensuomi” hört. Sinn und Zweck dieses Programms ist die Anwesenheit von internationalen Studierenden in Finnland zu nutzen. Austauschstudierende gehen dabei in finnische Schulen und berichten ein wenig woher sie kommen, warum sie in Finnland sind, was zu Hause anders ist als hier usw. Daneben kann natürlich auch vom Studienhintergrund oder von der Muttersprache je nach Unterrichtsfach oder –stufe Gebrauch gemacht werden. Finnische Schüler erhalten so einen kleinen Einblick in andere Kulturen aus erster Hand. Finnland ist seiner geographischen Lage wegen nicht gerade ein Land, das mit vielen Fremden in Kontakt kommt, zumindest je weiter man auf das Land rausfährt. Im Gegenzug erhalten die Studierenden ein wenig Einblick in ein Stück finnische Kultur und in deren Schulsystem, für das das Land ja seit der Pisa-Studie bekannt ist.
Ich war letzte Woche in einer Deutschdoppelstunde in Vihtavuori, 18 km nord-östlich von Jyväskylä, 9. Klasse. Der Schüler Deutschkenntnisse haben nicht ganz ausgereicht mich ansprechend zu verstehen, also habe ich mich auf englisch mit ihnen unterhalten. Zuerst im Klassenraum, danach draussen im Schulhof, auf Gras bei Sonnenschein und angenehmen 18 Grad, fand ich klasse! Ich musste nach Finnland kommen, um eine Schulstunde openair zu erleben. Generell hatte ich den Eindruck, das Verhältnis Schüler-Lehrer ist lockerer und weniger formal als bei uns. Finnen sagen sich aber grundsätzlich schnell einmal du, so ist es nicht erstaunlich, dass der Lehrer auch nur “Ope” (von Opettaja) genannt wird.
Das Tollste aber am ganzen Projekt, welches in diesem Jahr das erste Mal stattgefunden hat, war der Feedback Event in Turku, zu welchem etwa 20 teilnehmende Studierende aus allen Teilen Finnlands eingeladen waren. Ziel dieses Treffens war ein Zwischenfazit nach dem ersten Jahr zu ziehen und das Projekt weiterzuentwickeln. Grundsätzlich war das Projekt ein Erfolg, sowohl von Seite der Studierenden als auch der Lehrpersonen her gesehen.
Ich plante ohnehin, mir Turku anzusehen, so passte mir dieser Anlass perfekt in meine Agenda, darüber hinaus wurde die Reise, der Aufenthalt sowie ein Abendessen anlässlich eines Bootausflugs vor dem Inselmeer Turkus übernommen, das ist in der Tat phänomenal. Der kleine Schiffsausflug war wirklich grandios, ein ganz schönes Fleckchen Erde die Küste im Südwesten Finnlands. Die Stadt Turkus hingegen ist kein Schmuckstück, nicht besonders hässlich, aber auch nicht besonders sehenswert, da habe ich mehr von Europas Kulturhauptstadt 2011 erwartet.

